Für das Vorbereitungsseminar auf das Schulpraktikum habe ich den Studierenden vorgeschlagen, anstatt herkömmlicher Praktikumsberichte Blogs zur Begleitung des Praktikums einzusetzen. Zunächst einmal sehe ich darin mehrere Vorteile organisatorischer Natur:
- Die Blogs können bereits während des Praktikums erstellt werden – somit entsteht kaum eine Kollision mit der sich anschließenden Bachelorarbeit.
- Die Studierenden bleiben während des Praktikums in Kontakt mit ihren Kommilitonen, es entsteht ein vernetzter Raum zum Austausch von Erfahrungen und die Möglichkeit zur gegenseitigen Unterstützung bei der Vorbereitung von Unterricht, aber auch bei der Reflexion von Problemen. So können erste Erfahrungen in kollegialer Beratung gesammelt werden.
- Auch ich kann die Studierenden auf diesem Wege leichter auch während des Praktikums begleiten, Tipps geben. Links / Buchtipps zur Weiterarbeit anbieten.
Rein technisch habe ich mich, angeregt unter anderem durch den Beitrag von Ralf Apelt zu e-portfolio Tools, für Blogs auf Basis von wordpress (wordpress.com) entschieden. Hilfreich war hier auch der Flurgesprächhinweis (nein kein Twitter, kein Blog sondern Face-to-face
) von Ralf, dass die Studierenden so die Möglichkeit haben, wenn sie Gefallen am Bloggen gefunden haben, weiter damit zu arbeiten. Von ihm bekam ich auch den Hinweis, dass Studierende von Torsten Meyer ähnliches zur Begleitung ihres Praktikums genutzt haben. Ein kurzer Bericht dazu findet sich in diesem Artikel.
Aber auch inhaltlich ergeben sich natürlich einige interessante Möglichkeiten. Die so entstehenden Portfolios begleiten tatsächlich den Lernprozess. Es handelt sich nicht um die üblichen Praktikumsberichte, die am Ende oder erst mit einigen Monaten Abstand zusammengeschrieben werden. Das bedeutet natürlich aber auch, dass bei der Bewertung besondere Maßstäbe angelegt werden müssen, denn die “Berichte” werden ja am Ende benotet. Es muss deutlich werden, dass es eben nicht um ein makelloses Produkt geht, wo zu Beginn des Praktikums eine Frage gestellt und während des Praktikums eben diese Frage stringent beantwortet wird (die Folge ist: Alle anderen Aspekte bleiben außen vor!). Sondern es geht vielmehr um ein Produkt, in dem Fragen gestellt werden dürfen, wo eine reflexive Auseinandersetzung mit dem Beruf, dem Arbeitsfeld eigenen und fremden Unterricht stattfindet.
Um eine gewisse Vergleichbarkeit zu gewährleisten, habe ich den Studierenden einige Aspekte als “verpflichtende Aufgaben” mit auf den Weg gegeben:
- Reflexion, was möchte ich im Praktikum lernen?
- Beschreibung des ersten Eindrucks der Schule.
- Beschreibung des Entstehungsprozesses einer Unterrichtsstunde.
- Reflexion einer eigenen Unterrichtsstunde. Was hat gut geklappt, was nicht.
- Ein Hospitationsbericht
- Einen Bericht über den “typischen” Schultag einer Lehrerin.
- Abschließendes Fazit: Was haben Sie sich für das Praktikum vorgenommen und was haben Sie gelernt?
- Inwiefern hat Ihnen die Vorbereitung im Seminar für das Praktikum genützt?
Außerdem fordere ich die Studierenden dazu auf, die Blogs der Kommilitonen zu lesen und kommentierend in Interaktion zu treten.
Da es sich bei diesen Aspekten um sehr persönliche Dinge handelt, habe ich den Studierenden freigestellt, ihr Blog passwortgeschützt zu führen, sodass nur die anderen Teilnehmer mitlesen können oder es komplett öffentlich zu machen und nur einige Einträge mit einem Passwortschutz zu versehen. In beiden Fällen ist eine sorgfältige Anonymisierung der Beiträge Pflicht. Ich werde die Studierenden auch weiterhin ermuntern die Blogs öffentlich zu führen, halte dies jedoch für eine persönliche Entscheidung. Vielleicht entscheiden sich ja auch einige, im Laufe der Zeit ihre Beiträge öffentlich zu machen. Weil ich es nicht besser ausdrücken könnte, verweise ich hier nochmals auf einen Artikel von Ralf Ein Plädoyer für offene ePortfolios.
Im Moment bin ich dabei, Bewertungskriterien zu erarbeiten. Erste hilfreiche Ansätze bietet mir dabei das zum-wiki mit dem Bewertungsraster für Schülerblogs. Die Kriterien werde ich in Kürze auch hier diskutieren.
Ich freue mich über jeden Kommentar, insbesondere über Anregungen und Hinweise zum Vorgehen.
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Ich mache das gerade ähnlich mit Schülern einer 10. Klasse und habe dazu ein Begleitblog erstellt mit Tipps und Hinweisen für Blogeinsteiger: Blog as you teach – vielleicht hilft das Deinen Studenten ja auch weiter.
Das ist bereits der zweite Durchgang. Der erste war schon sehr ermutigend (siehe “Blogroll 1. Durchgang). Ich hatte aber noch keine Zeit, das in meinem Blog aufzuarbeiten.
Außerdem war es für meine (jüngere) Gruppe hilfreich, einen “Fahrplan” für den Einstieg zu erstellen: der ist noch nicht perfekt (z.B. sollte noch mehr die Gestaltung des BLogs selbst mit Sidebar etc. darin vorkommen), aber mal ein Anfang.
Viel Erfolg mit Deiner Aktion!
Vielen Dank für die Hinweise! Dein Begleitblog enthält ja Massenweise Material. Den Tip werde ich weitergeben! Vor allem sehr konsequent, dass Du die Hinweise für die Schüler auch in Blogform bereitstellst, so haben andere auch was davon.
Ich finde die Idee richtig gut. Ich habe ja vor einem halben Jahr ein Schulpraktikum absolviert und ich fand diesen anschließend Praktikumsbericht “in Papierform” recht nichtsaussagend. Man hat sich irgendwas zusammengereimt, um eine gute Note zu bekommen. Das hat letztlich auch bei mir funktioniert, aber Sinn der Sache ist das sicherlich nicht.
Insofern finde ich die Idee mit der Interaktion durch Kommentieren etc. ziemlich gut. Ich hoffe nur, dass deine Studenten sich auch genug Mühe geben. Sicherlich müssen sie sich während des Praktikums auch noch um andere Dinge kümmern und da besteht die Gefahr, dass sie sich nicht genug damit auseinandersetzen und eben einfach “irgendetwas” schreiben. Auch besteht die Gefahr, dass die Studenten untereinander einfach “abschreiben”, Ideen klauen. Verstehst du was ich meine? Ich stell mir vor wie es bei mir gewesen wäre, wenn ich die Aufgabe in Form des Bloggens gehabt hätte. Ich musste nebenbei für eine Modulabschlussklausur lernen und hätte für ausführliches Kommentieren usw. nicht genug Zeit und Muße gehabt.
[...] bleiben. An dieser Frage muss man sicherlich dran bleiben und ich bin gespannt, wie sich in meinem aktuellen Anwendungskontext diese Punkte [...]
Hallo Sonja,
genau aus diesem Grunde “Praktikumsbericht als Pflichtübung” habe ich mich u.a. auch gegen dieses Format entschieden.
Ein anderer Faktor war der Zeitfaktor. Wobei was Du ansprichst natürlich auch eine Gefahr ist. Ich glaube schon, dass sich die Studierenden Mühe geben werden, bin mir aber auch bewusst, dass es eine anstrengende Zeit ist. Da nach dem Praktikum die Bachelorarbeit ansteht habe ich nach einem Format gesucht, das auch während des Praktikums bearbeitet werden kann.
Das gegenseitig abgeschrieben wird befürchte ich nicht. Zum einen sind es nicht so viele Personen und zum anderen gehe ich erstmal davon aus, dass sie alle möglichst stark vom Praktikum profitieren wollen…