Duzen oder Siezen 2.0
Gabi Reinmann wirft im e-Denkarium die interessante Frage auf, wie man mit Online-Kontakten, die man im “wirklichen” Leben zum Beispiel auf Tagungen etc. trifft verfährt. Spricht man sie weiterhin mit dem vertrauten “Du” aus dem Internet an oder nicht? Ihre Lösung beim “Du” zu bleiben, wenn das Gegenüber es wünscht finde ich sehr nachvollziehbar und sympathisch. Schwieriger wird es dabei wahrscheinlich beim Gegenüber. Traue ich mich dann diese Menschen zu duzen? Oder habe ich dann doch (auf einmal) die Hierarchie-Schranken, die im Internet häufig umgangen werden, wieder im Kopf? Bislang habe ich nur Menschen hinter den Twitternamen getroffen, die, zumindest was das Alter anbelangt, in meiner Liga spielen, so dass ich mir dort keine Gedanken machen brauchte.
Eine andere Frage stelle ich mir gerade noch. Wie verhält es sich mit Seminarteilnehmern? Wenn ich sie generell sieze und mich nach einiger Zeit mit den Online-Kontakten duze entsteht sicherlich auch eine seltsame Situation. Übrigens war es mir selbst im Studium lieber mich mit Professoren etc. die mich noch in irgendeiner Form (Schein, Examensprüfung…) bewerten mussten zu siezen. Ich kann gar nicht sagen warum, sondern das war eher so ein Bauchgefühl.
Dazu kommt auf Tagungen etc. generell die Frage, duze ich gleichaltrige Nachwuchswissenschaftler oder versuche ich es erst mit dem “Sie”? Eigentlich ist das Duzen meine erste Reaktion, dafür bin ich allerdings schon häufiger leicht schräg angeschaut worden.
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Hallo Christian,
wenn man sich mal in verschiedenen Blogs umschaut, entdeckt man, dass sich auch andere diese Frage bereits gestellt haben: Hier z.B.: http://www.probloggerworld.de/duzen-siezen/386/
Wenn ich mit jemanden zusammenarbeite (also z.B. auch mit studentischen Hilfskräften), dann gilt bei uns das “du” – das ist einfacher. Damit brechen nicht gleich alle Hierarchien weg. Man darf das aus meiner Sicht schlicht nicht überbewerten.
Das finde ich ganz vernünftig, was da steht. Gegenseitiger Respekt ist schon wichig; auch Unterschiede zu nivellieren, ist wenig sinnvoll, aber ob man es am “Sie” oder “du” festmachen sollte (oder es da ablesen kann), ist wirklich fraglich.
Gabi
Hallo Christian,
wenn man sich mal in verschiedenen Blogs umschaut, entdeckt man, dass sich auch andere diese Frage bereits gestellt haben: Hier z.B.: http://www.probloggerworld.de/duzen-siezen/386/
Wenn ich mit jemanden zusammenarbeite (also z.B. auch mit studentischen Hilfskräften), dann gilt bei uns das “du” – das ist einfacher. Damit brechen nicht gleich alle Hierarchien weg. Man darf das aus meiner Sicht schlicht nicht überbewerten.
Das finde ich ganz vernünftig, was da steht. Gegenseitiger Respekt ist schon wichig; auch Unterschiede zu nivellieren, ist wenig sinnvoll, aber ob man es am “Sie” oder “du” festmachen sollte (oder es da ablesen kann), ist wirklich fraglich.
Gabi
Nein, ablesen kann man die Unterschiede daran nicht. Aber ein falsch verstandenes “Du” kann eine künstliche Gleichheit herstellen. Umgekehrt gilt das natürlich genauso. Der letzte Satz Deines Kommentars ist meines Erachtens der wichtigste!
Nein, ablesen kann man die Unterschiede daran nicht. Aber ein falsch verstandenes “Du” kann eine künstliche Gleichheit herstellen. Umgekehrt gilt das natürlich genauso. Der letzte Satz Deines Kommentars ist meines Erachtens der wichtigste!
In den Seminaren, die ich selbst leite und die häufig länger dauern (mehrere Tage), aber auch in Seminaren, in denen ich mit anderen KollegInnen Teilnehmerin bin, klären wir zu Beginn die offizielle Anrede. Angeboten wird dann immer das “Arbeits-Du”. Damit habe ich nur gute Erfahrungen gemacht. Am Ende zeigst sich, wo gute Kooperationen entstehen können, daran, ob man selbstverständlich beim Du geblieben ist, wenn man sich außerhalb des Zusammenhangs wieder trifft. Wo die Distanz nach dem Arbeitszusammenhang wieder hergestellt wird (häufiger bei Referendaren) geht man wieder zum Sie über. Insgesamt verbessert sich die Arbeitsatmosphäre vor allem in Projekten, weil niemand sich mehr hinter formelle insitutionelle Zuständigkeiten – verborgen in Hierarchiestufen – zurückzieht, sondern alle eher sachorientiert an einer “gemeinsamen Sache” arbeiten. Das Verantwortungsgefühl für diese Sache erhöht sich m. Erfahrung nach durch das Duzen.
In den Seminaren, die ich selbst leite und die häufig länger dauern (mehrere Tage), aber auch in Seminaren, in denen ich mit anderen KollegInnen Teilnehmerin bin, klären wir zu Beginn die offizielle Anrede. Angeboten wird dann immer das “Arbeits-Du”. Damit habe ich nur gute Erfahrungen gemacht. Am Ende zeigst sich, wo gute Kooperationen entstehen können, daran, ob man selbstverständlich beim Du geblieben ist, wenn man sich außerhalb des Zusammenhangs wieder trifft. Wo die Distanz nach dem Arbeitszusammenhang wieder hergestellt wird (häufiger bei Referendaren) geht man wieder zum Sie über. Insgesamt verbessert sich die Arbeitsatmosphäre vor allem in Projekten, weil niemand sich mehr hinter formelle insitutionelle Zuständigkeiten – verborgen in Hierarchiestufen – zurückzieht, sondern alle eher sachorientiert an einer “gemeinsamen Sache” arbeiten. Das Verantwortungsgefühl für diese Sache erhöht sich m. Erfahrung nach durch das Duzen.
Hallo Christian,
ich halte es jetzt, wo ich mein erstes Seminar halte und ein Drittel der Teilnehmer noch sehr wohl weiß, dass ich letztes Jahr noch mit ihnen studiert habe so, dass ich das DU einfach etabliere. Ich würde mir sehr komisch vorkommen, wenn ich mich vor das Seminar stelle und mich dann künstlich mit SIE anreden lassen würde. Wer gerne gesiezt werden will, dem lasse ich dieses Recht aber natürlich.
Was ich extrem befremdlich finde ist, wenn Leute, die in der (gefühlten) Hierachie über einem stehen, einen duzen, aber eher so in der Weise, dass man nicht sicher ist, ob dies nun auf beiderseitigem Einverständnis beruht, oder ob derjenige sich so viel weiser und überlegener fühlt, dass er schon gesiezt werden will, selbst aber mit du anspricht. Ist schon tricky! Mich kann man gerne duzen, im Blog und auch im normalen Leben. Wen man außerdem im etwa gleichen Alter ist (1o Jahre hin oder her), finde ich das ohnehin entspannter.
Viele Grüße,
Tamara
Hallo Christian,
ich halte es jetzt, wo ich mein erstes Seminar halte und ein Drittel der Teilnehmer noch sehr wohl weiß, dass ich letztes Jahr noch mit ihnen studiert habe so, dass ich das DU einfach etabliere. Ich würde mir sehr komisch vorkommen, wenn ich mich vor das Seminar stelle und mich dann künstlich mit SIE anreden lassen würde. Wer gerne gesiezt werden will, dem lasse ich dieses Recht aber natürlich.
Was ich extrem befremdlich finde ist, wenn Leute, die in der (gefühlten) Hierachie über einem stehen, einen duzen, aber eher so in der Weise, dass man nicht sicher ist, ob dies nun auf beiderseitigem Einverständnis beruht, oder ob derjenige sich so viel weiser und überlegener fühlt, dass er schon gesiezt werden will, selbst aber mit du anspricht. Ist schon tricky! Mich kann man gerne duzen, im Blog und auch im normalen Leben. Wen man außerdem im etwa gleichen Alter ist (1o Jahre hin oder her), finde ich das ohnehin entspannter.
Viele Grüße,
Tamara
Wenn man schon mal beim “Du” war, finde ich es passender, dabei zu bleiben. Aber im Zweifel frage ich beim ersten persönlichen Treffen vorher.
Wenn man schon mal beim “Du” war, finde ich es passender, dabei zu bleiben. Aber im Zweifel frage ich beim ersten persönlichen Treffen vorher.
@LisaRosa: die Idee des “Arbeits-Du” finde ich gut. Bin aber wahrscheinlich nicht in dem Alter und der Position, dass es von mir ausgeht.
@Tamara: in derselben Situation befinde ich mich auch gerade, mit vielen habe ich gemeinsam studiert und erhalte im Seminar das “Du” manche schaffen es aber nicht zu duzen das ist dann auch OK. Wie ich es handhaben werde, wenn ich die Studenten nicht mehr – zumindest teilweise – aus dem Studium kenne weiß ich noch nicht.
Die andere Erfahrung teilen wir.
@pjebsen: Zustimmung
@LisaRosa: die Idee des “Arbeits-Du” finde ich gut. Bin aber wahrscheinlich nicht in dem Alter und der Position, dass es von mir ausgeht.
@Tamara: in derselben Situation befinde ich mich auch gerade, mit vielen habe ich gemeinsam studiert und erhalte im Seminar das “Du” manche schaffen es aber nicht zu duzen das ist dann auch OK. Wie ich es handhaben werde, wenn ich die Studenten nicht mehr – zumindest teilweise – aus dem Studium kenne weiß ich noch nicht.
Die andere Erfahrung teilen wir.
@pjebsen: Zustimmung
Spannendes Thema, über das ich mir auch schon den ein oder anderen Gedanken gemacht habe (ich bin Expertin dafür, ins Fettnäpfchen zu treten und in für mich völlig selbstverständlichen Situationen die für mein Gegenüber falsche Ansprache zu verwenden). Generrell ist mir daher auch das “Du” immer lieber, Agrumentationen, dass “Du” aus irgendwelche Hierarchie- oder Autoritätsgründen nicht zu verwenden, kann ich nicht nachvollziehen – das sehe ich auch eher so wie Gabi Reinmann. Dennoch versuche ich mich an das bei uns übliche “Sie” auch in Seminaren und Weiterbildungen zu gewöhnen, um mich nicht von meinen Kollegen zu unterscheiden. Führt allerdings immer wieder mal zu Verwirrungen, da ich oft ein-zwei Personen näher kenne und mit denen schon per “Du” bin. Mir gefällt daher auch das oben beschriebene “Arbeits-Du” – vielleicht werde ich das Dienstag mal direkt in der neu startenden Weiterbildung ausprobieren.
Viele Grüße, Nicole
Spannendes Thema, über das ich mir auch schon den ein oder anderen Gedanken gemacht habe (ich bin Expertin dafür, ins Fettnäpfchen zu treten und in für mich völlig selbstverständlichen Situationen die für mein Gegenüber falsche Ansprache zu verwenden). Generrell ist mir daher auch das “Du” immer lieber, Agrumentationen, dass “Du” aus irgendwelche Hierarchie- oder Autoritätsgründen nicht zu verwenden, kann ich nicht nachvollziehen – das sehe ich auch eher so wie Gabi Reinmann. Dennoch versuche ich mich an das bei uns übliche “Sie” auch in Seminaren und Weiterbildungen zu gewöhnen, um mich nicht von meinen Kollegen zu unterscheiden. Führt allerdings immer wieder mal zu Verwirrungen, da ich oft ein-zwei Personen näher kenne und mit denen schon per “Du” bin. Mir gefällt daher auch das oben beschriebene “Arbeits-Du” – vielleicht werde ich das Dienstag mal direkt in der neu startenden Weiterbildung ausprobieren.
Viele Grüße, Nicole
Hey Christian,

das ist eine spannende Frage.
Ich warte meistens, bis ältere KollegInnen es anbieten, jüngeren oder HiWis biete ich es meistens an. In meinen Seminaren habe ich es allen angeboten, was die meisten auch angenommen haben. Für mich gilt prinzipiell: wer mich duzt, den duze ich zurück. Wer mich siezt, sieze ich auch.
Wissenschaftliche KollegInnen (also solche, die das gleiche Thema wie ich bearbeiten), duze ich meistens. Auch – aber nicht nur – weil man häufig den Kontakt aus dem Internet eben persönlich weiter pflegt. WissenschaftlerInnen, die ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Verwaltungsmensch kennenlerne, sieze ich meistens, bis wir zum Du kommen – oder auch nicht. Hängt auch ein bisschen vom Fach ab (in den Naturwissenschaften duzen sich Hiwis mit ihren Profs, was ich wieder seltsam finde).
Hilfreich finde ich den Workflow von PhDcomics: http://www.phdcomics.com/comics/archive.php?comicid=1153
Schönen Gruß
Monica
Hey Christian,

das ist eine spannende Frage.
Ich warte meistens, bis ältere KollegInnen es anbieten, jüngeren oder HiWis biete ich es meistens an. In meinen Seminaren habe ich es allen angeboten, was die meisten auch angenommen haben. Für mich gilt prinzipiell: wer mich duzt, den duze ich zurück. Wer mich siezt, sieze ich auch.
Wissenschaftliche KollegInnen (also solche, die das gleiche Thema wie ich bearbeiten), duze ich meistens. Auch – aber nicht nur – weil man häufig den Kontakt aus dem Internet eben persönlich weiter pflegt. WissenschaftlerInnen, die ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Verwaltungsmensch kennenlerne, sieze ich meistens, bis wir zum Du kommen – oder auch nicht. Hängt auch ein bisschen vom Fach ab (in den Naturwissenschaften duzen sich Hiwis mit ihren Profs, was ich wieder seltsam finde).
Hilfreich finde ich den Workflow von PhDcomics: http://www.phdcomics.com/comics/archive.php?comicid=1153
Schönen Gruß
Monica