mendeley – nochmal Literaturverwaltung
An anderer Stelle habe ich hier im Blog ja bereits die Vorzüge von Zotero in höchsten Tönen gelobt. Und tatsächlich komme ich mir sehr wankelmütig vor, wenn ich dies jetzt für eine recht neue Alternative, die obendrein noch weniger Funktionen bietet, ebenfalls tue. Erhalten habe ich den Hinweis dieses Programm überhaupt auszuprobieren via twitter von Jonas.
Es geht um mendeley, ein System, das den Anspruch hat ein Last.fm für Literatur zu werden. Das Desktop Programm ist für alle wichtigen Systeme (Linux, Mac und Windows) verfügbar.
Ein großer Vorteil ist der Import von Metadaten (Autor, Titel etc.) aus pdf-Dateien. Hierzu müssen diese natürlich in diesen Dateien richtig angegeben sein1.Die Indizierung der Daten verläuft schnell und in vielen Fällen richtig. Auch der Volltext wird – ähnlich wie bei Zotero – in den Index aufgenommen.
Die Oberfläche wirkt (aber das ist sicher auch Geschmackssache) im Gegensatz zu zotero sehr aufgeräumt. Gleichzeitig kann man aus seine Datenbank auch im Internet zugreifen, Kommentare hinzufügen, Artikel hinzufügen usw. Diese Änderungen werden dann beim Starten des Desktop-Clients synchronisiert.
Der Vorteil von zotero, die Intergration von Quellen aus dem Netz und Datenbanken im Netz ist noch nicht gegeben. Einzig ein Bookmarklet ermöglicht den Import von bibliografischen Daten einiger Dienste aus dem Internet (u.a. google scholar). Die Integration in Textverarbeitung / LaTeX ist größtenteils noch in Planung. Von Windows aus existiert anscheinend eine Word-Integration
Schaut man sich mal die Feedback-Datenbank an, so sind viele interessante Neuerungen geplant. Besonders spannend klingen für mich:
- LaTeX integration in Mendeley Desktop
- OpenOffice plugin for citations/bibliographies
- COinS for Mendeley
Eine interessante Funktion ist die Statistik über die eigene und auch die komplette Datenbank. So lässt sich anzeigen, welche Autoren am stärksten vertreten sind usw.
Mittels der Freigabefunktion von Literatursammlungen könnte ein sehr wichtiges Tool für Seminare etc. entstehen, die klassische Papierversion von Literaturlisten hätte ausgedient und Literatur könnte gemeinsam verwaltet werden, neue Quellen hinzugefügt werden etc.
Mein Vorgehen zur Zeit ist, dass ich Zotero zum Daten sammeln nutze, und diese dann von Zeit zu Zeit bzw. wenn ich sie gelesen habe, Kommentare einfügen will etc. in mendeley exportiere. Wenn ich für Texte die ich ohnehin meist in LaTeX schreibe eine BibTeX-Datei benötige lasse ich sie von mendeley ausgeben und nutze sie dann mittels lyx.
Mein Profil findet Ihr übrigens hier.
Edit: 15.6.2009: Gerade sehe ich, dass Mendeley auch eine Kooperation mit einem anderen wichtigen Literaturverwaltungstool im Web 2.0 eingegangen ist, mit CiteULike (via Bierologie.org) . Mehr dazu auch im Blog von Mendeley.
- Dafür plädiere ich schon lange, was nützt es, wenn als Autor im pdf der Hiwi und nicht der Prof eingetrage ist und als Titel irgendwas wie “Dokument1″? ↩
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