Bücher und Erinnerungen

Schlimm ist das bei mir mit Büchern, immer dann, wenn ich am wenigsten Zeit für Belletristik habe, fallen mir Bücher in die Hand, die ich gerne lesen möchte. Zwar bin ich durch den Tellkampschen Turm*1, über den ich schon vor einiger Zeit berichtet habe, immer noch nicht durch, habe dank Tauschticket einen angefangenen Krimi (Carneval* von Craig Russel, mir bislang zu heftig) auf dem Nachttisch liegen und den aktuellen Fred Vargas* (die allerdings immer auf Französisch) immer im Rucksack und trotzdem musste ich Schmidt liest Proust*
aus der Stabi einfach mitnehmen… Aber das war schon immer so, dass ich gerne parallel gelesen habe.

In “Schmidt liest Proust” berichtet Jochen Schmidt über seine Leseerfahrungen während der Lektüre von ProustsRecherche“. Er hatte sich vorgenommen täglich 20 Seiten zu lesen, dies im Blog zu begleiten und so in 180 Tagen mit diesem Mammutwerk fertig zu sein. Ein riesiges Vorhaben. Ich muss gestehen, dass ich trotz eines Romanistik-Studiums nur in den ersten Band reingelesen habe, ich fand das französische Original äußerst anspruchsvoll zu lesen, weshalb Schmidt sich wohl zu Recht entschieden hat, es in der Übersetzung zu lesen. Gestern habe ich in “Schmidt liest Proust” mal reingeschaut und eine Passage gelesen, die mich auch an  meine Kindheit erinnert hat. Schmidt berichtet dort, dass er sich noch immer an die Buchrücken in elterlichen Bücherrregalen erinnert:

Auch ohne sie gelesen zu haben, sind viele Bücher Teil meines Lebens, weil ich mich aus der Kindheit an ihre Einbände erinnere. “Bildnis einer Dame” stand immer in Augenhöhe und klang interessant. “Der Idiot”, wie konnte ein Buch so heißen? Man ahnt ja nicht, was Kinder alles mitbekommen. Ich hatte nie das Bedürfnis, die Bücher meiner Eltern zu lesen, aber sie gehörten zur Wohnung wie die durchgesessenen Stühle2

Diese Erfahrung teile ich mit Schmidt. Was da im Bücherregal stand faszinierte mich. Dabei war auch das “Bildnis einer Dame”, genauso aber der “Besuch der alten Dame”, “Homo Faber” war mir lange ein Rätsel, des Lateinischen nicht mächtig löste “Homo” bei mir Assoziationen aus und mit “Faber” konnte ich erst recht nichts anfangen. Was bitte hatte es mit der “Katze auf dem heißen Blechdach” auf sich? Unter dem Titel hatte ich wenigstens ein Bild vor Augen. Und was war mit den ganzen Simmel-Büchern? War die “Kunst des Liebens” vielleicht eine gut geschriebene Anleitung? Aber warum war der Autor dann Fromm? Wie kommt man zu so einem lustigen Namen wie Fallada und was ist nun mit dem kleinen Mann?  Ich sehe die Titel, insbesondere die lange Reihe von vergilbten rororo Büchern, immer noch vor mir. Und dieses Bild strahlt eine merkwürdige Vertrautheit aus.

Anders als Schmidt habe ich aber einige Bücher dann als Jugendlicher gelesen. “Homo Faber” sogar in der Schule und da nahm ich dann den vergilbten und zerlesenen rororo Band mit, fand ich besser als die neu anzuschaffende Ausgabe mit dem Filmfoto vorne drauf.

Wie sieht es bei Euch aus? Habt Ihr auch solche Erinnerungen? Ich bin gespannt auf Eure Berichte.

Edit: Jetzt fällt mir auch wieder ein, warum mich das “Proust liest Schmidt” Buch so angesprochen hat, in einem Interview, das Karla von der – übrigens sehr empfehlenswerten – Buchkolumne mit Marion Bösker vom Literaturhaus München geführt hat, wurde darauf hingewiesen.

  1. dieser und die folgenden mit einem Asterisk (*) gekennzeichneten Links führen direkt zur entsprechenden Produktseite bei amazon.de
  2. Schmidt, Jochen (2008), Schmidt liest Proust, Dresden und Leipzig, S. 16

Keine verwandten Artikel

This entry was posted in Alltag, Blog, Französisch and tagged , , , , , . Bookmark the permalink.